Zitat von Bolle im Beitrag #340
Ich denke das die Pflanze die Blüten wirft wenn sie es für notwendig hält...
Da liegst Du ganz sicher falsch.
Das Gegenteil läßt sich immer wieder quer durch alle Gattungen beobachten.
Wenn die Lebensbedingungen für die Orchideen nicht optimal sind, versuchen Sie, Ihre letzte Kraft in eine (Not-) Blüte zu stecken, um damit den Arterhalt zu sichern.
In diesem Fall sind die Blüten aber selten gut entwickelt.
Bei kräftigen Importpflanzen habe ich mehrfach beobachtet, daß sie eine normale Blüte entwickelten und dann ohne erkennbare Ursache das Wachstum einstellen und fast immer eingingen (ein Beispiel war Oncidium varicosum).
Dieser Vorgang hatte nichts mit Ruheperioden nach der Blüte zu tun.
Da mir dies auch mit gerade von Orchideengärtnern erworbenen kräftigen Orchideen in Blockkultur mit reichlich Luftwurzeln so erging (z. B. Ionopsis) folgere ich, daß die abrupte Änderung des Klimas und der Art der Wasseraufnahme, der Auslöser für dieses Phänomen war:
Einstellen jeglichen Wachstums und Hervorbringen einer Blüte.
Daraus folgt allerdings auch, daß das Abschneiden des Blütentriebes nicht die Ursache für den Wuchsstop beseitigt und das Absterben der Pflanze verhindert. Grund dafür ist der zu starke Wechsel der Kulturbedingungen.
Bei Phalaenopsishybriden habe ich ebenfalls beobachtet, daß durch Kulturfehler und/oder Krankheiten geschwächte Pflanzen eine letzte Blüte hervor brachten und dann schnell vergingen.
Das Abschneiden dieser Blüten hat die Pflanzen nicht gerettet.
Wenn man abgeblüten Stiele bei den Phalaenopsishybriden dran läßt, müssen sich die Pflanzen in einem tadellosen Zustand befinden, sonst werden sie durch die Doppelbelastung aus Wachstum und Blütenbildung geschwächt.
Ob ein abgeschnittener Trieb mit seitlichen Blütenständen attraktiv ist, darüber läßt sich streiten.
Aber der Pflanze eine Bühpause zu gönnen, während der sie Kraft für eine neue und sicher bessere Blüte sammeln kann, halte ich für die bessere Variante.
Gruß
Christian